Kisangani asbl

Ländliche Entwicklung in Kisangani

23 mars 2014

Flussbiegung

Kisangani ist die Hauptstadt der Ostprovinz im Kongo. Die Stadt, die an der “Biegung des Kongo-Flusses“ liegt, war bis vor einigen Jahren vollständig von der Außenwelt isoliert. Nach dem Krieg zu Beginn dieses Jahrhunderts geht es mit der Versorgung mit Vorräten allmählich bergauf. Die Stadt bezieht ihre Lebensmittel aus der weiter entfernten Umgebung : es gibt bereits Schifffahrt von Kinshasa aus, wenn auch nicht regelmäßig. Außerdem kommt der Transport vom Osten her per Lastwagen in Gang. Auf dem Markt gibt es Fleisch, häufig Wild wie etwa Affen und Antilopen, die halb geröstet werden. Dieses Fleisch muss jetzt aus großer Entfernung herbei-gebracht werden, weil der Tierbestand des Waldes in der Nähe durch die Jagd bereits seit langem verschwunden ist. Das Fleisch von vor Ort gezüchteten Tieren wie Ziegen, Schweinen und Hühnern ist sehr teuer, weil im Grunde genommen viel zu wenig gezüchtet wird. Der Anbau von Nahrungs-pflanzen, außer Maniok, und die Tierzucht sind in der Äquatorialgegend keine traditionellen Tätigkeiten. Die Menschen leben von der Jagd, dem Fischfang und dem Wanderfeldbau durch Brandrodung der Wälder.

Durch das Bevölkerungswachstum um Kisangani ist die traditionelle Art und Weise der Ernährung völlig unzureichend geworden. Fisch ist sehr teuer, weil er aus immer größerer Entfernung im Fluss herbeigeschafft werden muss. Die Region um Kisangani ist überfischt, und die Brut- und Laichplätze sind zerstört.

Zwar gibt es den überall gegen-wärtigen Maniok als Kohlen-hydratquelle. Doch dieser ist ein sehr karges und einseitiges Nahrungsmittel, denn Maniok enthält so gut wie keine Eiweiße. Die lokale Bevölkerung, die Bakumu, bauen fast aus-schließlich Maniok an. Der Reis wird aus dem Inland mit dem Fahrrad hergebracht. Da es jetzt so gut wie keinen Transport gibt, ist dieser Reis knapp und teuer. Innerhalb und außerhalb der Stadt haben die Bewohner Felder angelegt. Dort pflanzen sie Mais, Bananen, Bohnen und Soja. Die Böden sind jedoch karg und schnell erschöpft.

Selber Lebensmittel anbauen

Die Menschen sind arm, die Not ist groß. Gemeinsam mit dem akademischen Personal der Faculté des Sciences1 der Universität von Kisangani, die wir gebildet haben und mit der wir jetzt seit mehr als zwanzig Jahren zusammenarbeiten, können wir die Nahrungsmittelbeschaffung in Angriff nehmen.

Wir wollen in größerem Umfang die Bevölkerung dazu ermutigen, selbst mehr Nahrungspflanzen anzubauen und Tiere und Fische zu züchten.

Gemeinsam mit ungefähr zehn Professoren und Assistenten können wir der Bevölkerung beibringen, wie man Gründüngung einsetzt. Kunstdünger ist aufgrund der Transportkosten in Afrika viel zu teuer.

Außerdem möchten wir der Bevölkerung besser geeignete Samen und Nahrungspflanzen zur Verfügung stellen. Die Mitarbeiter der Fakultät beschäftigen sich bereits seit vielen Jahren mit diesem Thema und züchten unter Anwendung neuerer Labormethoden bessere Bananen-sorten. Darüber hinaus werden Obstbäume wie Treculia mit eiweiß-reichen Samenkörnern sowie Avocado und Ananas und natürlich Ölpalmen in großen Mengen gepflanzt.

Wir wollen die Zucht von kleineren Nutztieren wie Kaninchen, Schweine und Fische fördern, indem wir der Bevölkerung Kaninchen, Schweine und Fischbrut zur Verfügung stellen. Bis jetzt gab es in Kisangani nur wenig Kaninchenzucht. Schweine müssen in umzäuntem Gelände gezüchtet werden, damit der Dung für die Felder genutzt werden kann. Für uns ist dies selbstverständlich, im tropischen Afrika ist es dies jedoch nicht. Die Fischzucht in Ngene Ngene, die Teiche mit einer Gesamtoberfläche von fast zwei Hektar benutzt, hat viel Anklang gefunden : innerhalb und außerhalb der Stadt wurden viele Teiche angelegt. Das Projekt stellt die Fischbrut zur Verfügung.

In Djubu Djubu, einem sumpfigen Tal mitten in der Stadt, wurden Reisfelder angelegt. Dies hat sich als sehr erfolgreich herausgestellt : bewässerter Reis bringt dreimal so viel auf wie trocken angebauter. Der Reisanbau und die Fischzucht in denselben Teichen werden nun von der Bevölkerung aufgegriffen.

Dem Naturschutz wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt, wie etwa im Reservat von Masako (2.000 Hektar Urwald) und auf den Inseln Kongolo und Mbiye (1.000 Hektar Urwald). Hierfür haben wir uns mit den lokalen Behörden in Verbindung gesetzt.

Zurzeit beschäftigt sich unser Projekt auch mit der Ausbildung der Kinder in verschiedenen Dörfern um Kisangani. Die Schullehrer schauen sich die Ergebnisse des Projektes an und legen gemeinsam mit den Schülern ein Modellfeld an. Die Kinder lernen wie man kompostiert und düngt. Auf diese Weise beziehen wir auch die erwachsenen Dorfbewohner mit ein, um gemeinsam verschiedene Nahrungspflanzen anzubauen und Schweine in Umzäunungen zu züchten.

Die kongolesischen Professoren und Assistenten der Faculté des Sciences begleiten die Arbeiten und treten als Betreuer auf. Sie beobachten Anbau und Aufzucht und gehen auf Probleme ein. Für ihre Fahrten benutzen sie einige Motorräder des Projekts und einen Geländewagen.

Ein langer Anlauf

Das „Acker- und Waldbau-Projekt“ der Faculté des Sciences in Kisangani ist inzwischen seit ungefähr 20 Jahren aktiv. Es entstand 1988 aus dem UTS-Projekt 14 (Universitäre technische Zusammenarbeit) 1976-1990). Dieses Kooperationsprojekt "Erhaltung der Natur" war bekannt als eines der besten im damaligen Zaїre. Viele der Stipendiaten haben an belgischen Universitäten promoviert. Nach ihrem Studium kehrten sie nach Kisangani zurück, um dort eine Professur an der Universität zu übernehmen. Wir haben in Kisangani ein gutes Arbeitsteam gebildet, mit dem wir noch stets kooperieren. Wir haben dieses Projekt gemeinsam mit dem Team erarbeitet.

Im Jahr 1995 erhielten wir ein 3 H (Health, Hunger and Humanity) Grant Rotary-International Projekt (108.000 $ für den Zeitraum von 4 Jahren).

Im Jahr 1998 haben wir über das damalige LUC (Limburger Universitätszentrum) mit Unterstützung des VLIR (Interuniversitärer Rat Flanderns) und der DGOS2 ein Netzwerk für ländliche Entwicklung aufgebaut (300.000 Euro für den Zeitraum von fünf Jahren, 1998-2002). Hier in Belgien haben wir 1999 den gemeinnützigen Verein Kisangani gegründet, um dieses Projekt langfristig zu unterstützen.

In Kisangani arbeiten wir zusammen mit einer NGO, „ADIKIS“, die von der wissenschaftlichen Fakultät gegründet wurde. Dort ist auch eine neue Generation von Akademikern herangewachsen, die am Projekt mitarbeiten.

Von der Landwirtschaft zur Grundschule

Wald- und Ackerbau

Der traditionelle zyklische oder Wanderfeldbau nach Brandrodung ist noch immer die wichtigste Art und Weise der Nahrungsmittelgewinnung in tropischen Gegenden. Diese zeitgebundene Rotation von Ernten, die abgewechselt werden mit langen Zeiträumen (zwischen 8 und 10 Jahren), in denen das Land brach liegt und sich die Fruchtbarkeit des Bodens erholt durch die natürliche Vegetation, die spontan nach den Ernten entsteht, gewährleistete seit vielen Generationen eine stabile Nahrungs-mittelherstellung in den meisten tropischen Gebieten.

Seit den letzten Jahrzehnten findet jedoch auf Grund von sozio-ökonomischen, hauptsächlich demografischen Gründen eine eingreifende Veränderung dieser traditionellen Herstellungs-methoden statt. Die Bevölkerung wächst an, vor allem um die Einfallstraßen der großen Zentren und innerhalb dieser. Durch die sehr intensive Nutzung der verfügbaren Böden verliert der Boden an Qualität und entwickelt sich zur Savanne und Steppe (Sahelisierung). Diese Grasländer sind für die Landwirt-schaft verloren, sogar spontane natürliche Vegetation, die den Boden regenerieren könnte, tritt nicht mehr auf.

Im tropischen Afrika wächst die Bevölkerung pro Jahr um 3 % an. Die Bevölkerung von Kongo nähert sich bereits jetzt den 60 Millionen. Wie dies bereits jetzt der Fall ist in vielen Nachbar-ländern, bleibt kaum noch ausreichend anbaufähiger Boden übrig, der einen traditionellen Wanderfeldbau mit langen Zeiträumen des Brachliegens ermöglicht. Um dem zunehmenden Nahrungsmittelbedarf in den tropischen Gegenden decken zu können, wird zunehmend mehr Wald gerodet werden müssen. Dadurch ist der tropische Regenwald in nicht so weiter Zukunft einer realen Bedrohung ausgesetzt. Das Urbarmachen für die ausländische Holzindustrie und zur Gewinnung von Brennholz für die lokale Bevölkerung, verschlimmert diese ganze Problematik, auch wenn es nicht die einzige Ursache für die Entwaldung darstellt.

Man sucht deshalb nach Lösungen.

Das Projekt möchte eine integrierte Landwirtschaft fördern, indem es bei der Bevölkerung neue Gründungungsmethoden mit Hecken aus unter anderem Leucaena, Flemingia, Acacia und Calliandra zwischen den Anpflanzungen einführt (agroforestry oder Wald- und Ackerbau). Vor allem buschige Hülsenfrüchte mit kleinen Blättern, die aus der natürlichen Vegetation stammen, eignen sich am besten dazu, den Boden zu regenerieren. Ihre Wurzeln enthalten kleine Wurzelknollen, in denen Bakterien vorkommen, die den Stickstoff aus der Luft umsetzen, so dass dieser von den Pflanzen dort im Boden aufgenommen werden kann, wo es keine natürlichen Nitrate mehr gibt. Wenn die Blätter entweder durch natürlichen Blatt-verlust oder durch Ab-schneiden auf den Boden fallen, kann dieses verfaulte Pflanzenmaterial in Nitrate umgesetzt werden. Lang blühende Büsche mit zarten Blättern sind daher besonders geeignet, weil die Um-wandlung schneller von-statten geht. Es handelt sich hierbei um einen bak-teriellen Prozess. Diese Nitrate stellen die Frucht-barkeit des Bodens wieder her.

Wir beabsichtigen, verschiedene Dorfgemeinschaften bei der Anpflanzung dieser Hecken zu helfen und das Schneiden der Hecken zu betreuen. Das rechtzeitige Schneiden der Hecken und Jäten sind nämlich notwendig.

Gemüseanbau mit Kompostierung

Diese agroforestry-Methoden bringen Stickstoff in den Boden. Wir wollen ein integriertes Produktionssystem ausarbeiten. Die Verwendung von pflanzlichem und tierischem Agrarabfall bewirkt ein Recycling von Nahrungsbestandteilen und erhöht die Fruchtbarkeit von kargen Böden. Das Kompostieren wird in verschiedenen Behältern aus Bambus durchgeführt.

Sowie die Gartenbeete hinlänglich angereichert sind, werden wir Tomaten, Sellerie, Auberginen, Amaranth und Schnittlauch anpflanzen. Außerdem wollen wir den Anbau von stärker eiweiß-haltigen Nahrungspflanzen, wie z.B. Soja, Vigna-Bohnen, Erdnüsse, Mais etc. fördern. Die Wechsel-wirtschaft wird angewendet, um Krankheiten zu vermeiden, die beim Anbau von stets ein und derselben Kultur vorkommen würden.

Wir streben eine integrierte Landwirtschaft an, in der Anbau und Züchtung vereint werden : der Abfall der Kulturpflanzen ernährt die Tiere ; umgekehrt bildet der Dung den Grundstoff, um den Boden mit Elementen wie Phosphor anzureichern, da der Wald- und Ackerbau nur Stickstoff erbringen kann.

Obstgärten

Zwischen den Beeten haben wir verschiedene Obstbäume wie Treculia angebaut. Dies ist ein im Wald vorkommender Baum mit stark eiweißhaltigen Samenkörnern. Ebenso haben wir „Cola“-Bäume, Avocado und Papaya angepflanzt. Hiermit können wir die Unterernährung bekämpfen und die Gegend wieder aufforsten. Auf den brachliegenden Böden um die Stadt herum und auf der Insel Mbiye werden lokale Baumarten wie unter anderem Albizia, Acacia, Miletia und Delonix angepflanzt, die als Boden-anreicherung und Brennholz dienen können.

Bananenanbau

Bananen sind für fast alle tropischen Völker ein Grundnahrungsmittel. Dies trifft auch auf Kongo zu. Neben der Dessertbanane gibt es dort auch die Plantain-Banane oder Kochbanane.

Wir haben bis jetzt mehr als 20.000 Bananenschösslinge an der Fakultät, in Ngene Ngene, auf Simi Simi, in Masako und vor allem auf der Insel Mbiye gepflanzt. Seit Januar 2000 werden durchschnittlich 3 Tonnen Bananen pro Jahr geerntet.

Die Invitro-Kultur kann die Nachfrage aus der Stadt nicht abdecken. Diese Art von Kultur beruht auf Meristemzellen (Zellen aus der Wachstumsspitze), die in Petrischalen mit künstlichem Nährboden gezüchtet werden. Mit dieser im Laboratorium in Kisangani angewendeten Arbeitsweise erhält man Hunderte von kleinen Pflanzen.

Der Austausch von selektiertem Material mit anderen Stationen in Afrika und andernorts ermöglicht es, verbesserte Arten zu bekommen. Diese Arbeit findet in Kooperation mit INIBAP (International Network for the Improvement of Bananas and Plantains) an der Universität Löwen statt.

Reisanbau

Zwischen den Studentenwohn-heimen und einem Wohnviertel liegt mitten in der Stadt das sumpfige Tal von Djubu Djubu, das sich über eine Fläche von 6 Hektar erstreckt. Hiervon sind 3 Hektar mit Reis angebaut, wobei die eine Hälfte zur Universität und die andere zu weiteren Gemein-schaften gehört.

Bewässerter Reis bringt dreimal soviel auf wie trocken angebauter. Dieser Reisanbau ist sehr erfolgreich und wird jetzt an vielen sumpfigen Stellen innerhalb und außerhalb der Stadt angewendet.

Der mit Fischzucht kombinierte Reisanbau (rizipisciculture) hat folgende Vorteile :
  Produktion von Fisch und Reis auf ein und demselben Gelände mit denselben Arbeitskräften
  Die Fische vertilgen Algen, Insekten und Parasiten wie z.B. Mückenlarven (Malaria).
  Die Fische erhalten ihr Futter in Form von Reisblumen-pollen und Plankton an verwelkt-em Pflanzenmaterial.
  Die Sümpfe werden kultiviert.
  Diebstahl mit Wurfnetzen wird verhindert.
  Gemeinsame Verwaltung und Betreuung. Diese Art des Anbaus wird jetzt in Djubu Djubu angewendet. Zwanzig Teiche in der Größe von 20 auf 50 m wurden manuell ausgehoben. Das Projekt sorgt dafür, dass die Menschen Gummistiefel bekommen, denn die Gefahr, an Bilharziose (Leber- und Blasen-infektion, die durch Schisostoma, einen im Süßwasser vorkommenden Saugwurm, verursacht wird) zu erkranken, ist groß.

Hühnerzucht

In Kongo ist es sehr unüblich, Hühner in Ställen zu züchten oder diese Tiere überhaupt zu füttern. Dabei würde dies in den Städten eine Lösung darstellen.

Die Eier der Hennen werden ausgebrütet. Ziel ist, der Bevölkerung bessere Kükenarten zur verkaufen. Die lokale Hühnerart (eine Hühnerart mit kahlem Hals) wird mit größeren Rassen aus dem Osten des Landes gekreuzt. Diese Hühnerzucht wird von der Bevölkerung nur zögerlich angenommen. Die lokalen Hühner scharren überall nach Nahrung und brauchen deshalb nicht gefüttert zu werden.

Kleinwild in Kisangani, Kaninchen

Der Wald um Kisangani ist zunehmend bedroht. Die Jagt auf Wildtiere ist so intensiv, dass diese innerhalb eines Radius von ca. hundert Kilometern um die Stadt nicht mehr vorkommen. Dennoch isst die Bevölkerung gerne und viel Kleinwild. Deshalb wurde die Züchtung der Rohrratte (Tryonomys swinderianus) ins Auge gefasst.

Weil diese Aufzucht den Bedarf nicht ausreichend deckt (1 bis 2 Junge pro Jahr), haben wir ebenfalls mit der Züchtung von Kan-inchen begonnen. Der Bevölkerung in Kisangani ist diese Art von Züchtung nur wenig bekannt. Die Tiere werden in selbstgebauten Ställen aus Bambus gehalten. Diese Aufzucht wird vor allem in Schulen, doch auch Dorfbe-wohnern gezeigt. Viele Familien, die (Bambus)Käfige nach unserem Beispiel bauen, erhalten einige Kaninchen, um mit der Zucht zu beginnen. Es herrschte bei den Kaninchen zu einem bestimmten Zeitpunkt auf Grund eines Medikamentenmangels eine hohe Sterblichkeit. Zurzeit kommen regelmäßig Medika-mente aus dem Osten des Landes (aus Uganda eingeführt) und werden die Jungtiere geimpft.

Schweinezucht

Mit der Schweinezucht wurde 2002 begonnen. Diese Züchtung ist sehr gewinnträchtig und birgt mehr Perspektiven. Wir haben mehr als 100 Tiere in den Ställen der Fakultät und ca. 50 an den anderen Orten. Hier zeigen wir der Bevölkerung, wie man Schweine in umzäuntem Gelände hält. Auf diese Weise kann man den Dung sammeln, um damit die Felder anzureichern.

Familien, die Schweineställe aus lokalem Material bauen, bekommen eine gedeckte Sau, damit sie selbst mit der Schweinezucht beginnen können. Im Jahr 2007 gab es in Kisangani Schweinepest. Wegen der strengen Vorsorgemaßnahmen wurde die Züchtung an der Fakultät und in Masako nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Fischzucht

Die Fischzuchtstation in Ngene Ngene stammt noch aus der Kolonialzeit. Die Teiche waren jedoch in verfallenem Zustand und zugewachsen. In den achtziger Jahren hatten wir damit begonnen, sie wieder funktionsfähig zu machen. Im Jahr 1990 hatte man mit den Arbeiten aufgehört, die jetzt wieder fortgesetzt werden. Die für die Fischzucht zuständige Person hat ein Praktikum in der Fischzuchtstation von Butare (Ruanda) absolviert.

Die Arbeiten an der Infrastruktur sind so gut wie abgeschlossen. Verschiedene Teiche wurden tiefer ausgehoben und der Boden dahingehend angepasst, dass man die Teiche jetzt völlig trocken legen kann. Dieser Schritt ist notwendig, um die Teiche einige Tage lang der Sonne ganz auszusetzen, damit sie steril werden.

Weiterhin wurden Maurerarbeiten durch-geführt, um das Kanalsystem zu reparieren und anzupassen. Ein Ablaufkanal, der den Fluss umleitet, wurde ausgehoben. Dies ist erforderlich, da bei starken Regenfällen Über-strömungen entstehen, die die Deiche beschädigen, wodurch große Mengen an Fisch und Nahrungsmitteln verloren gehen. 20 Teiche sind jetzt mit Wasser gefüllt. Die Teiche werden regelmäßig geleert.

Der Clarias oder Weißfisch ist seit jeher bei der Bevölkerung sehr geschätzt. Seine Aufzucht geht jedoch mit großen Problemen einher : diese Fischart vermehrt sich nicht in künstlich angelegten Teichen. Bei der Züchtung von Tilapia stellt sich ein anderes Problem ein : diese Fischart vermehrt sich weit unter dem vermarktungs-fähigen Gewicht. Für beide Probleme gibt es heutzutage Lösungen. Tilapia wird steril gehalten, oder man kann männliche und weibliche Tiere nach der Züchtung in Zuchtteichen trennen, und beim Weißfisch kann man die Vermehrung auf eine einfache Art hervorrufen.

Die Insel Mbiye

In der Nähe der Stadt liegt stromaufwärts die 17 km lange und 4 km breite Insel Mbiye. Der nordwestliche Teil ist kahl gerodet, und am Ufer liegen einige Dörfer. Auf dem südöstlichen Teil gibt es noch ursprünglichen Äquatorial-wald, den wir erhalten wollen. Die Behörden der Stadt unterstützen uns hierbei. Um die Erhaltung des Waldes überprüfen zu können, hat man Waldwege angelegt. Die Rundwege, deren Breite 1 bis 2 m beträgt, haben insgesamt eine Länge von 16 km. Sie werden von längs- (6km) und quer verlaufenden (9 km) Pfaden mit einer Breite von 1 m durchkreuzt. Um den Wald herum wurden ungefähr 1.000 junge Bäume angepflanzt, die eine Pufferzone bilden. Vier Förster sind für die Aufsicht zuständig. Regelmäßige Arbeitsbesuche der Behörden sind vorgesehen. Darüber hinaus halten wir Besprechungen mit der orts-ansässigen Bevölkerung ab.

In den Dörfern der Insel (Batiabetua im Westen und Puku im Osten) zeigen wir den Bewohnern die Agroforestry-Methoden. Dies sind Land-wirtschaftsmethoden, die sich der Gründüngung bedienen. Außerdem werden Schweine auf einem umzäunten Stück Land gezüchtet, auf diese Weise kann der Schweinedung für die Felder verwendet werden.

Wir wollen den Menschen beweisen, dass sie Nahrungs-mittel gewinnen können, ohne dass sie den gesamten Wald roden müssen. Das Projekt auf der Insel ist ein Beispiel für eine ländliche Entwick-lung, bei der die Natur erhalten bleibt. Auf dieser Insel hat es nie eine Schule gegeben. Die Kinder sind nie zur Schule gegangen, weil es viel zu schwierig ist, jeden Tag den Fluss zu überqueren und dann noch eine lange Strecke zu Fuß zu gehen.

Im Jahr 2010 haben unsere Freunde in einem Klassen-raum eine kleine Schule in Puku auf der Insel Mbiye gegründet : das erste und zweite Schuljahr. In diesem Jahr fangen wir an, ein Schulgebäude mit drei Klassenräumen zu bauen. Dann werden die Kinder die gesamte Grundschule auf der Insel besuchen können. Auch hier werden die Kinder lernen, wie sie später ihre Felder nachhaltig bebauen können, und auch hier werden sie die Schweine- und Kaninchenzucht kennen lernen.

In Puku teilten wir 2011 die ersten Schulzeugnisse aus, darüber haben sich die Eltern sehr gefreut.

Die kleine Landschule in Batiamaduka

An der Verbindungsstraße Kisangani-Buta liegt 15 km von Kisangani entfernt die Grundschule von Batiamaduka. Dies ist eine ländliche Schule, die zur Stadt Kisangani gehört. Sie strebt danach, die Kinder in Umweltfragen auszubilden und zu sensibilisieren. Die Ausbildung wird anhand von Beispielen durchgeführt.

Am Anfang des Schuljahres 2003 gab es ungefähr hundert Schulkinder. Zu Beginn des Schuljahres 2003-2004 haben wir Arbeitsmaterial ausgeteilt : die Kinder bekamen Hefte und Kugelschreiber, die Schule erhielt Kreide, Schwämme und Tafelfarbe. Daraufhin stieg einige Woche später die Schülerzahl auf 400 an, die Schule lebt neu auf.

Dank der effektiven Arbeitsteilung zwischen Lehrern und Schülern haben wir ein Modellfeld in der Größe von 1 ha anlegen können. Dieses Feld befindet sich unmittelbar hinter der Schule. Der Boden hatte brachgelegen und war karg. Mit dieser Aktion wollen wir den Schülern zeigen, dass man sogar karge Böden wieder fruchtbar machen kann, indem man mit organischem Abfall und Hausmüll kompostiert, Dung verwendet und Hecken für die Gründüngung anpflanzt. Hier wurde ebenfalls ein Schweinestall gebaut. Wir fassen auch die Kaninchen-zucht ins Auge.

Wir wollen der Bevölkerung beweisen, dass sie, im Gegensatz zur Auffassung vieler Bauern, die ihre Felder weit vom Dorf entfernt mitten im Wald anlegen, die Felder näher zu ihren Wohnungen verlagern kann.

Das Feld der Schule ist mit einem Stacheldrahtzaun abgegrenzt, um Beein-trächtigungen durch frei herumlaufende Ziegen und Schweine aus dem Dorf zu vermeiden. Das freie Herumlaufen der Haustiere im Dorf ist ein weiterer Grund, weshalb die Dorfbewohner die Felder weit von ihren Wohnungen entfernt anlegen. Daraus erklärt sich auch die verhängnis-volle fortwährende Entwaldung.

Dieses Schulfeld wird von einem Schulausschuss verwaltet, der sich aus Schülern, Lehrern, dem Schulleiter und dem Dorfoberhaupt zusammensetzt. Auch die Eltern der Kinder werden einbezogen. Der Ertrag dieser Landwirtschaft wird die Schulaktivitäten unterstützen.

Die Schüler und Lehrer, der Schulleiter und das Dorfoberhaupt sowie die Eltern und die Mitglieder der Fakultät arbeiten zusammen, um einen Ertrag in der Schule zu produzieren und auf diese Weise ein ökologisches Bewusstsein zu entwickeln, wobei der Reichtum der Natur erhalten bleibt. Diese Unterstützung der Schule kommt dem gesamten Dorf zu Gute und wird mit Sicherheit Nachahmer finden.

Im Jahr 2008 ist man dazu übergegangen, einen Vollzeit-Betreuer zu bezahlen. Gleichzeitig sind die früheren Mitarbeiter weiterhin einbezogen. Unter den Dorfbewohnern werden Umfragen abgehalten. Die Zusammenarbeit ist jetzt intensiver geworden. Der Betreuer betreut die Dorfbewohner beim Wald-Ackerbau. Die Familien, die selber einen Schweine-stall und/oder Kaninchenställe besorgen, bekommen eine Sau und einen Eber und/oder einen Rammler (männliches Kaninchen) und zwei weibliche Kaninchen. Auf diese Weise können sie mit der Zucht beginnen. Sowie die ersten Jungtiere größer sind, müssen diese Familien anderen Familien einige Tiere überlassen, die dann auch mit der Zucht beginnen können.

Die kleine Landschule im Dorf Masako

Auf der alten Verbindungsstraße Kisangani-Buta liegt 15 km von Kisangani entfernt das Dorf Masako, das neben einem Naturreservat liegt und wo die Menschen der Fakultät bereits seit vielen Jahren arbeiten. Hier wurde mit Unterstützung des belgischen Unternehmers Pierre Godfroid und der belgischen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit eine Grundschule gebaut. Die Dorfkinder können jetzt in die Schule gehen.Auch hier wurde ein Feld für Demonstrationszwecke angelegt, der Schweinestall ist aus vor Ort vorkommendem Material gebaut.

Die Eltern der Kinder werden hier, wie in Batiamaduka, ebenfalls einbezogen. In Masako beschäftigen wir uns schon seit Jahren mit dem Acker-Waldbau. Mit Hilfe der Schule und deren Lehrer hoffen wir, dies intensivieren zu können. In Masako gelingt es bereits seit einigen Jahren, den einfachen Dorfbewohner für die Fischzucht zu interessieren. Es bildete sich eine Gruppe von Dorf-bewohnern, die Fischzucht betreibt für den eigenen Gebrauch und für den Verkauf.

Die Schule hat in Masako noch eine weitere erfreuliche Folge nach sich gezogen : Erwachsene, vor allem Frauen und nicht nur junge Frauen fragten an, ob sie lesen und schreiben lernen könnten. Sie bekommen jetzt regelmäßig Unterricht. Die Anfrage kam ausschließlich von ihrer Seite. Dieser Unterricht für Erwachsene ist eine große Unterstützung für die Weiter-entwicklung des Dorfes.

Weitere Verbreitung

Neben diesen Aktivitäten ar-beiten wir auch mit Einzel-personen, Menschen, die ein Unternehmen aufbauen wollen. Wir erwähnen an dieser Stelle die Teiche von Herrn Dechaux, die sich mitten in der Stadt befinden sowie die Plantage und die Teiche von Herrn Djasia auf dem linken Ufer des Kongo-Stroms.

In Kabondo, einem Stadtteil von Kisangani, haben unsere Freunde einen neuen Züchter betreut : sie erklärten ihm, wie die Kaninchenställe gebaut werden, gaben ihm dann einige Kaninchen, um mit der Zucht zu beginnen. Jetzt züchtet dieser Mann Kaninchen und verkauft sie.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass das Projekt mehr als hundert Arbeiter beschäftigt. In einer Stadt wie Kisangani, wo es nur sehr wenig Arbeitsstellen gibt, ist dies von hoher Bedeutung.Diese Arbeiter haben eine Familie, so dass das Projekt neben allen vorher genannten Tätigkeiten auch für das Wohl von mehr als hundert Familien sorgt.

Was wollen wir erreichen ?

Dass sich die Bevölkerung besser ernährt. Auf diese Weise verbessert sich ihre Gesundheit und fühlen sich die Menschen besser.

Sie werden den Wald schützen durch eine rationelle und nachhaltige Erschließung. Ausgehend von der Faculté des Sciences zeigen wir ein Beispiel einer Entwicklung, die sich auf einen durchdachten Umgang mit dem Boden stützt.

Dies alles wollen wir der Jugend beibringen !